Samstag, 22. Februar 2020

SV Essling - First Vienna FC

Wien, Sportplatz Essling
WFV-Cup, 500 Zuschauer, 0:4


In der 4. Runde des Wiener Landescups hat der Oberligist SV Essling mit dem Stadtliga-Tabellenführer Vienna das große Los gezogen. Während bei den anderen Cupspielen in dieser Runde zwischen 20 und 125 Menschen bei den Spielen anwesend waren, sind es hier in Essling deren 500. Das ist erfreulich.

Nicht ganz so erfreulich ist die Tatsache, dass dieses Cupspiel heute am Esslinger Kunstrasenplatz ausgetragen wird. Bei 15 Grad und Sonnenschein ist das schon ein wenig verwunderlich. Bei näherer Betrachtung des Hauptfeldes ist mir dieser Umstand dann aber auch schon wieder egal, da der Rasenplatz um keinen Deut besser aussieht wie der heute bespielte Nebenplatz. Eine Tribüne sucht man hüben wie drüben vergeblich.

Rund 15 Minuten vor Anpfiff erreiche ich den Sportplatz in der Kirschenallee. Ich finde einen der raren Plätze in der Nähe der Vienna-Bank. Dort freut sich mein Nebenmann: "Jetzt geht's endlich wieda los! Is eh Zeit wordn!" Mann diskutiert über Dieses und Jenes, unter anderem auch über Vienna-Coach Peter Hlinka: "Der steht auf da Linie wia a Stoa! Der muas mehr Emotionen zagn!"

Als der Platzsprecher die Namen der Esslinger Kicker durchsagt, spricht mich mein Nachbar, ein ziemlich reifer Vienna-Anhänger wie folgt an: "No, es hobt's oba a vü Jugos in da Monnschoft!" Ich spiele dieses Spiel mit und antworte mit: "Jo, wer ned?" Mein Nachbar bestätigt: "Jo, eh!" Mehr Probleme habe ich kurz später mit dieser Frage: "Wo fohrt eigentlich der Autobus hin, der do ständig vorbeifährt?

Nach 7 Spielminuten führt die Vienna durch Tore von Mario Konrad und Patricio Paredes Saez aka "Da schnölle Chilene" schon mit 2:0. Mein Nachbar wird nun etwas arrogant: "I hobs jo gsogt, des wird a Tragal, 8e werdns, werds sehn!" Da ich nach diesen 10 Minuten schon Zitate für 5 Spiele habe, verlasse ich diesen an sich guten Platz und treffe kurz darauf auf Hopperkollegen Markus, der mir interessante Eindrücke seiner letzten Reisen erzählt.

Kurze Zeit später gesellt sich auch noch der mit einer Kanada-Fahne aufkreuzende Andreas zu uns. Der ist über die Austragung am Kunstrasen sehr erfreut, da dieser Platz in seiner Liste noch fehlt. Während wir miteinander plaudern erzielt Mario Konrad in Minute 33 das 0:3.

Bei diesem Stand geht es in die Pause, in der mir Andreas ein Kotelett-Semmerl spendiert. Ein Hoch auf den Spender! Der Versuch, in der Pause den Hauptplatz in Szene zu setzen scheitert an einem übermotivierten Ordner. Der Versuch von Andreas, diesen zur Vernunft zu bringen wird mit "Heast wos wüst denn? Auf da Hohen Warte konnst a ned afoch in die fremden Sektoren marschieren" eiskalt abgeschmettert.

Der Esslinger dürfte ein streitbares Wesen sein, da erscheint auch der Konflikt mit jenem Anrainer, wegen dem der Platz gedreht werden musste, in einem etwas anderen Licht. Die Vienna schaltet nach der Pause 2 Gänge zurück und begnügt sich trotz einer Roten Karte für einen Esslinger wegen einer Schiribeleidigung, bei dem laut Andreas auch das "A-Wort" gefallen ist, mit einem einzigen Tor in Halbzeit 2. Von wegen 8er-Tagerl! Trotzdem war das alles sehr souverän, die Vienna steht damit im Viertelfinale, in welchen man Mannswörth empfängt. Essling kann sich nun voll und ganz auf den Aufstiegskampf in der Oberliga konzentrieren, da liegt man derzeit nämlich am 2. Platz.




























Sonntag, 16. Februar 2020

SS Sambenedettese - Ravenna FC

San Benedetto del Tronto, Stadio Riviera delle Palme
Serie C - Girone B, 2.240 Zuschauer, 1:2


In San Benedetto del Tronto sollte nicht nur das abschließende Spiel unserer Kurzreise über die Bühne gehen, sondern auch der Regionspunkt Marken eingefahren werden. Die Heimstätte der SS Sambenedettese ist das hübsche Stadio Riviera delle Palme, welches immerhin eine Kapazität von 22.000 Plätzen aufweist. Um das "Palmenküstenstadion" stehen übrigens tatsächlich unzählige Palmen herum, wie man auch auf der Fotostrecke erkennen kann.

Heute empfängt Sambenedettese in der Serie C die Mannschaft aus Ravenna. Man steckt derzeit in einer richtigen Krise, aus den letzten 5 Spielen konnten lediglich 2 Punkte erobert werden. Gegen Ravenna, das 9 Punkte dahinter rangiert, sollte heute endlich wieder ein Dreier eingefahren werden.

Es gelingt dann auch der perfekte Start, vor 2.240 Besuchern geht Samb nämlich schon in der 3. Minute durch den Abwehrspieler Mirku Miceli unter kräftiger Mithilfe des Gästegoalies in Führung. Man ist auch klar besser, aber typisch für ein Krisenteam, erzielt der Gegner mit einem der seltenen Vorstöße den Ausgleich. 40 Minuten sind gespielt.

Wie bereits mehrmals während dieser Reise greife ich auch hier zu einem Pausenespresso. Kein Kaffee der Welt kann auch nur annähernd mit einem italienischen Espresso mithalten. In der ausgeglichenen 2. Halbzeit setzen Mozart und ich die Tribuna Est Mare von jeder Seite in Szene, auch der Unterrang wird nicht ausgelassen. Als wir uns gerade auf der Höhe des Daches befinden, geht Ravenna in der 74. Minute durch Benjamin Mokulu in Führung. Warum unmittelbar nach diesem Tor aus dem Samb-Block eine Fackel gezündet wird, ist mir nicht ganz klar, vielleicht wurde da ja auch etwas verwechselt :-)

Beim Gastgeber sitzt der Schock auf jeden Fall tief, man bringt in der verbleibenden Spielzeit keinen einzigen vernünftigen Angriff mehr zustande. Es bleibt damit bei der bitteren Heimniederlage. Die Serie des Grauens wird damit prolongiert. Die Spieler beweisen nach dem Spiel Mut, indem sie sich dem wütenden Fanblock stellen und dort brutal ausgebuht werden.

Somit endet unsere Reise mit dem 5. Auswärtssieg im 6. Spiel. Hätte man darauf gewettet, wäre man definitiv mit mehr Geld heimgekommen, als die ohnehin günstige Reise gekostet hat.