Samstag, 16. November 2019

SV Gerasdorf Stammersdorf - First Vienna FC

Gerasdorf, Franz Hein Stadion
Wr. Stadtliga, 558 Zuschauer, 0:5


Nach dem Spiel in Donaustadt geht es zügig weiter über die Wiener Stadtgrenze nach Gerasdorf. Dort geht heute im Franz Hein Stadion das Stadtliga-Duell gegen die Vienna über die Bühne. Bei meinem Eintreffen rund 10 Minuten vor Anpfiff werde ich von einer langen Warteschlange empfangen. Kein Wunder, dass die Herrschaften unrund werden: "Soiche Deppn! A Kassa, obwoi's genau wissn, dass heit vü Leit kumman!" Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen!

Da der arme Kassier das Wechselgeld regelrecht rausschleudert, schaffe ich es trotzdem noch rechtzeitig beim Auflaufen der Teams vor Ort zu sein. Die Gäste aus Döbling liegen nach dem Aufstieg in der vergangenen Saison schon wieder an der Tabellenspitze. Der Durchmarsch in die Regionalliga scheint nur noch Formsache.

Auch beim ehemaligen Zweitligisten Gerasdorf ist man von Beginn an dominant. 18 Minuten sind gespielt, als Mensur Kurtisi zum 0:1 einnetzt. Ich befinde mich da schon längst auf meiner Runde, wo ich im Bereich der Haupttribüne auf eine Handvoll motivierter Anhänger treffe, die immerhin den einen oder anderen Chant im Köcher haben.

Während der Runde stelle ich wiederholt fest, dass die Heimstätte der Gerasdorfer seine besten Tage schon hinter sich hat. Schließlich erreiche ich den Vienna-Sektor, wo die üblich gute Stimmung herrscht. Während ich mich hier aufhalte, kommt von den Gerasdorfer Jungs der Ruf "Tod und Hass der Vienna!" Dies wird vom Vienna-Anhang mit einem lauten Lachen quittiert.

Kurz vor der Pause verzeichnet Gerasdorf den 1. Torschuss. Da die Vienna leichtfertig mit ihren Chancen umgegangen ist, geht es mit dem knappen Zwischenstand von "nur" 0:1 in die Pause. Ich suche die Kantine auf, wo die Warteschlange noch länger ist wie jene vor dem Spiel bei der Kassa. Die geplante Investition in einen Kaffee wird daher auf später verschoben.

Nach der Pause kann die Vienna ihre Überlegenheit auch in Tore ummünzen. Unter den Torschützen befinden sich so klingende Namen wie Ümit Korkmaz oder auch Mario Konrad. Der Kader der Vienna ist schon jetzt regionalligareif. Ob dieser Überlegenheit erinnert sich ein älterer Herr an bessere Tage: "Domois mit'n jungen Herzog wor ma noch 8 Runden Erster in da 1. Liga! Und zwamoi hintranond homma Europacup gspüd!" Tja, die guten alten Zeiten...

Als ich kurz vor Abpfiff zwecks Kaffee die in der Zwischenzeit fast leere Katine aufsuche, fragt mich dort ein älterer Herr: "Wiavü stehts?" Meine Antwort "0:5" wird mit "Des wor zu erworten" etwas resignierend beantwortet. Bei diesem Stand bleibt es, der Durchmarsch der Vienna geht weiter...





































KSC/FCB Donaustadt - SV Aspern

Wien, Sportanlage Am langen Felde
Oberliga B (Wien), 67 Zuschauer, 4:1


In der laufenden Saison habe ich bislang in 7 unserer 9 Bundesländer angeschrieben, es fehlt noch Tirol und, man glaubt es kaum, Wien. Eigentlich wollte ich diesen Wiener Makel mit dem Stadtliga-Gastspiel der Vienna in Gerasdorf kurioserweise in Niederösterreich ausmerzen. Die späte Ansetzung um 16.00 Uhr gibt mir jedoch die Möglichkeit auch noch eines der zahlreichen 14-Uhr-Spiele zu besuchen. Aus geographischen Gründen entscheide ich mich für die Sportanlage "Am langen Felde" in Wien-Donaustadt und mache damit den Wiener Saisonpunkt 19/20 doch auf Wiener Boden.

Diese Sportanlage ist die Heimat des KSC/FCB Donaustadt. Dieser sperrige Name ist der Fusion des Kaisermühlner Sportclub Donaustadt mit dem FC Breitenlee zu verdanken. Heute empfängt man in einem Duell zweier Mittelständler in der Oberliga B den SV Aspern. Beim Erwerb der Eintrittskarte kommt schon ein schönes Eröffnungszitat von der Kassierlady: "I muaß aufpassen das ma des Göd ned davonfliagt bei der Thermik heit!" Ich stelle rasch fest, dass heute nicht am Hauptfeld, sondern am Kunstrasenplatz gespielt wird. Das ist schade, denn auf der an sich unspektakulären Anlage gibt es mit 2 kleinen, steilen Tribünen 2 wunderbare Motive, die sich am heute nicht benutzbaren Rasenplatz befinden.

Ich bin jedoch ein gebranntes Kind, da mir dieses "Malheur" bereits zum 4. Mal im Wiener Unterhaus passiert. Daher bin ich auch wenig verwundert über die raschenschonende Aktion. Als sich kurz vor Anpfiff ein Vereinsfunktionär am Kunstrasenplatz einfindet, kommt es zu folgendem Dialog: Sein "Männer! Glaubt's ihr, i hob eich de Orndnerwestn zum Spass herglegt?" wird von einem der angesprochenen Herrschaften mit "Heast, moch da kane Surgn! 1 Ordner für 3 Leit! San jo eh nur 6e do!" ziemlich trocken beantwortet. Der Funktionär hebt daraufhin mahnend den Finger: "De kemman erst, de san nu olle in da Kantin!"

Tatsächlich sollte sich die Anzahl unmittelbar nach dem Anpfiff verzehnfachen. Wahrscheinlich aufgrund der Thermik bringt Armini Mrwaropia durch einen sonderbaren Heber die Gäste aus Aspern früh in Führung. Das war es dann aber auch schon mit den Höhepunkten in der 1. Halbzeit. Abwechslung bringt lediglich die Tramway, die alle paar Minuten hinter dem Platz auftaucht.

Geschätzte 75% der 67 Besucher, also 50 1/4 finden sich in der Halbzeit in der Kantine ein, in der ich mich nicht nur mit einer köstlichen Schnitzelsemmel stärke, sondern ebenso köstliche Zitate zu hören bekomme. So meint ein Herr zu seinem Gegenüber: "Bei dir gehts nur bla bla bla & zack zack zack, du redst so vü, dass i a Kopfwehpuival brauch!" Ein anderer Kantinenbesucher fragt widerum einen weiteren Gast mit überraschtem Blick: "Spüd heit sunst kana, weilst do bist!?"

Tja, die Donaustädter tragen ihr Herz auf der Zunge! Das beweist auch ein Zuschauer, der in der 62. Minute folgende kurze, aber prägnante Worte Richtung des Unparteiischen plärrt: "Schiri, hau eam ausse, den Wölli!" Der Wölli heißt Abdurrahman Ercelik und hat soeben die gelbe Karte wegen einer Unsportlichkeit erhalten. Kurz nach dem Wölli-Sager kritisiert Ercelik Schiedsrichter Simsek und kassiert dafür prompt Gelb-Rot. Ercelik wimmert beim Abgang in meine Richtung: "I hab nix gsagt!"

Wie auch immer, der liebe Abdurrahman ist heute definitiv der Depp des Tages. Donaustadt gelingt nämlich 6 Minuten nach seinem traurigen Abgang der Ausgleich. Aspern hat mit einem Mann weniger nichts mehr zu melden und kassiert in der Folge 3 weitere Tore. Donaustadt jubelt! Auch ich freue mich, denn ich kann kurz vor dem Abpfiff die zuvor erwähnte Tribüne doch noch mit einem Besucher darauf in Szene setzen!

Damit kann auch ich das Kapitel KSC/FCB erfolgreich abschließend und breche auf nach Gerasdorf.