Samstag, 17. März 2018

SV Neulengbach - SV Altlengbach

Neulengbach, Wienerwaldstadion
2. Klasse Traisental, 120 Zuschauer, 3:2


In Niederösterreich fielen heute 67 (!) Spiele dem neuerlichen Wintereinbruch zum Opfer! Wetterfest zeigt man sich jedoch beim SV Neulengbach, die Ihr Lengbach-Derby (c Stadionsprecher) heute durchziehen. Nachdem ich die Kulturrunde im Zentrum abgeschlossen habe, erreich ich bei leichtem Schneefall das Wienerwaldstadion. Die Temperaturanzeige steht bei exakt 0 Grad Celsius. Bei meinem Eintreffen meint ein Funktionär: "Ideal is ned, oba es geht zum Spün!"

Laut offiziellen Quellen sind heute 120 Besucher mit dabei. Wenn man die zahlreichen Jugendspieler- und -innen dazurechnet, die sich heute zum Großteil in der (warmen) Kantine befinden, dann sind wir wohl bei 200. Damit kann man zufrieden sein. Zu Beginn kommt freilich kaum Derbyatmosphäre auf. Auf Pyro und Rauch verzichtet man im Duell der beiden Mittelständler gänzlich - ganz im Gegensatz zum Aufeinandertreffen vor einem halben Jahr.

Aufgrund der Anstoßzeit habe ich keine Zeit zu verlieren und starte unverzüglich mit der Umrundung des Areals. Genauso schnell wie ich kommen die Hausherren in die Partie! Mit dem 1. Angriff geht man in Führung. (8. Minute). Auch die nächsten 2 Angriffe werden erfolgreich abgeschlossen. Somit steht es nach 15 Minuten bereits 3:0 (!). Der Stadionsprecher ist angesichts dieser Effizienz komplett aus dem Häuschen - und spielt nach jedem Treffer einen anderen Torjingle, darunter Schickeria von Rainhard Fendrich. Ungewöhnlich -und deswegen gut!

Die Gäste aus Altlengbach kommen nach diesem miserablen Start langsam auf Touren und halten von nun an das Spiel offen. Am Spielstand ändert sich bis zur Pause nichts, dafür aber an der Intensität des Schneefalls. Mit Pausenpfiff verlässt ein Anhänger der Gäste mit den Worten: "Des wird nix mehr" das Stadion. Der Platzsprecher meint hingegen: "Das Wetter ist nicht perfekt, dafür aber der Spielstand!" Während in der Halbzeit die Linien vom Schnee befreit werden, wärme ich mich in der Kantine - und verzehre ein feines Speck-Salzstangerl.

Die 2. Halbzeit wird bei weitherin zunehmendem Schneefall mit einem orangen Ball fortgesetzt. Nach rund 20 Minuten der 2. Halbzeit folgt eine Unterbrechung, da die Linien ein weiteres Mal freigeschaufelt werden müssen. Einem der Schaufler passiert ein Lapsus, indem er beim Freikehren der Mittellinie wiederholt nach rechts wegdriftet. Dank des Platzsprechers ("Bitte zweigen sie bei der nächsten Gelegenheit nach links ab") gelingt es mit Mühe und Not eine halbwegs gerade Linie zu fabrizieren.

Die Gäste kommen mit dem schneebedeckten Boden offensichtlich besser zurecht und verkürzen unmittelbar nach der 2. Pause auf 1:3. Danach folgen viele Fouls und teils kuriose Szenen. Unter anderem wird anstelle des verschossenen Orangen-Balls ein weißer ins Spiel gebracht, der aber unverzüglich von einem Altlengbach-Spieler wütend hinausgedroschen wird. In der Zwischenzeit hat auch der Fanclub von Neulengbach Zuwachs bekommen, denn ab sofort ist auch eine Trommel mit dabei. Dazu hört man unterschiedliche Gesänge, wie "Wir sind die Nr. 1 vom Wienerwald!"  Und ich dachte mir, das wär schon der Wolferl Ambros? Unverhofft kommt also doch noch Derbystimmung auf!

In der 91. Minute kommt Altlengbach auf 1 Tor heran. Noch ist genug Zeit, da die verlorene Zeit für den Linienputz wieder aufgeholt werden muss. Die Gäste drücken, doch irgendwann pfeift der Schiri diese kuriose Partie ab. 3:2, Fans & Spieler feiern. Das Wienerwald- bzw. Lengbach-Derby hat auch ohne Pyrotechnik gehalten, was es versprochen hat.












































Samstag, 10. März 2018

USV Scheiblingkirchen - Kremser SC

Scheiblingkirchen, Pittentalstadion
NÖ-Landesliga, 350 Zuschauer, 0:1


4 Tage nachdem der Winter noch einmal seine Krallen ausfuhr, werden heute ganze 6 Begegnungen in NÖ ausgetragen. Ich entscheide mich für das Landesligaduell zwischen Aufsteiger und dem österreichischen Cupsieger 1988. Der Aufsteiger SV Scheiblingkirchen-Warth liegt nach einer hervorragenden Herbstsaison am  5. Tabellenplatz -  und damit nur 2 Ränge hinter dem Kremser SC.

Nach meinen heurigen Stadionbesuchen, die bislang - falls überhaupt - stets bei bescheidenem Wetterbedingungen über die Bühne gingen, lacht heute sogar die Sonne vom Himmel.  Nach einem kurzen Kulturprogramm mit der "Scheiblkirchen" betreten wir 10 Minuten vor Spielbeginn das Pittentalstadion, wo heute immerhin 350 Menschen die Sonnenstrahlen auf der Tribüne aufsaugen.

Diese 350 sehen aber auch einige bekannte Gesichter: Beim Kremser SC steht mit Frenkie Schinkels ein C-Promi an der Linie, dazu konnte man mit Lukas Thürauer einen ziemlich großen Fisch aus St. Pölten an Land ziehen. Offensichtlich hat man etwas was vor in der Wachau. Auch der Spielleiter ist mit dem Bundesligaschiri Markus Hameter kein Unbekannter.

Zu Beginn ist jedoch nicht das Spiel, sondern das ungewöhnlich schöne Wetter DAS Thema. Ein Teenie-Girl kann es nicht fassen: "Des Wetta is a Wahnsinn! Heit is jo urscheeen". Dieses Statement hört man gleich 3x innerhalb weniger Sekunden! Trotzdem sind die Spieler zu Beginn noch im Wintermodus, die Bälle landen zumeist am Parkplatz oder im Schilf hinter dem Tor. Highlight in Halbzeit 1 ist wohl die Behandlung eines Kremser Spielers. (siehe Fotostrecke)

Das 0:0 in der Pause ist eine logische Folge, ebenso wie die Stärkung, die heute aus einem warmen Leberkässemmerl und einem Kaffee besteht.

In der 62. Minute hat Lukas Thürauer seinen großen Auftritt, indem er einen Ball aus 25 Meter unhaltbar ins lange Eck prügelt. 0:1!  Die Gastgeber werden nun offensiver und tauchen vermehrt vor dem Tor auf, doch die Abwehr der Wachauer steht gut. Die Konterangriffe werden dafür kläglich vergeben. Ein Gästefan auf der Tribüne meint: "Na, mit der Leistung konn ma eigentlich ned gwinna!" Sein Nachbar relativiert: "Imma konn ma ned guad spün!"

Wenn ein Kremser sein Team nach Scheiblingkirchen begleitet, sollte man meinen, das dieser seine Mannschaft in- und auwendig kennt. Dem ist offensichtlich nicht so. Als Frenkie Schinkels den aus Dross zu Krems gewechselten Yasin Akkus ins Spiel bringt, entstehen einige Fragezeichen in den Köpfen der beiden Anhänger hinter mir: "Wer is do jetzt kumma? Akku? Wer is des? Kennst du denn?" "Na! Wia hoaßt der? Bakus? Na, den kenn i a ned!"  Auch der Name des Spielleiters dürfte nicht ganz so bekannt sein: "Jetzt pfeiff endlich oooo, Hametna!" wird mehrmals ins Feld geplärrt.

Obwohl der Schiri Hameter und nicht Hametner heißt, werden die Schreie erhört. Krems bringt den 3er knapp, aber doch ins Trockene. Es zeichnet sich ein spannender Aufstiegskampf mit Leobendorf, Stripfing & Retz ab. Man darf gespannt sein, wer das Rennen macht.