Samstag, 13. November 2021

SC Marchegg - SC Neusiedl/Zaya

Marchegg, Franz Mittermayer-Stadion
1. Klasse Nord, 200 Zuschauer, 0:2


Das sich einige Ligen bereits in die Winterpause verabschiedet haben, merkt man auch daran, dass ich heute kein einziges Derby auf meiner Liste gefunden habe. Einen guten Derbyersatz finde ich in Marchegg, wo der heimische SC als Tabellenführer im Schlagerspiel der 1. Klasse Nord den unmittelbaren Verfolger aus Neusiedl an der Zaya empfängt. 

Nachdem sich der Herbst in den vergangenen Wochenenden von seiner schönsten Seite zeigte, zeigt uns der Herbst heute mit Hochnebel inklusive leichtem Nieselregen bei entsprechend kühlen Temperaturen seine hässliche Fratze. Trotzdem finden heute 200 Besucher den Weg ins Marchegger Stadion, welches den Namen des ehemaligen Vereinspräsidenten Franz Mittermayer trägt. Nachdem ich die strenge Einlasskontrolle erfolgreich bestehe, bekomme ich das Ticket #74.

Die Zuschauer, die sich  am kompletten Gelände verteilen, bekommen eine von Beginn an überlegene Mannschaft aus Neusiedl zu sehen, die mit ihrem 1. Angriff gleich die Stange treffen. Florian Schön schließt einen schönen Angriff in der 11. Minute mit dem 0:1 ab. Schön ist jetzt auf den Geschmack gekommen und trifft 4 Minuten später erneut.

Während ein Besucher dies mit den Worten: "D'Östarreicha homs gestan a nu draht!" eher locker nimmt ist sein Begleiter sichtlich angefressen. Die Wut wird wieder einmal beim Schiri abgeladen: "Wos? Cornaaaa? Bist deppat heast du Trottl!" Natürlich bleibt der Unparteiische cool und reagiert überhaupt nicht auf die Schelte.  Auch die Gäste bleiben cool und lassen bis zur Halbzeit kaum Chancen der Marchegger zu.

Ich wärme meine fast schon eingefrorenen Finger in der Pause in der beheizten Kantine, in der ich zudem eine Käsleberkässemmel verzehre. Die 2. Halbzeit verbringe ich Großteils im sogenannten Fansektor der Gastgeber, der überwiegend aus älteren Herrschaften besteht. In der 60. Minute verlässt einer von ihnen mit den Worten: "I fohr hoam und schau ma in Rest im Fernsehn on!" lachend das Gelände.

Dadurch verpasst er die Meldung einer seiner Kumpels, der einen Befreiungsschlag des Marchegg-Goalies wie folgt kommentiert: "A so a Trottel! Der schiaßt eam ume in de Kläronlog!" Da sich Marchegg  auch in der restlichen Spielzeit keine nennenswerten Tormöglichkeiten erspielen kann, bleibt es beim 0:2. Der Platzsprecher zieht folgendes Resümee: "Mia hom verloren, aber seid uns ned böse!" ehe er sich mit den Worten: "Frohe Weihnachten und einen Guten Rutsch!" in die Winterpause verabschiedet.

Damit ist er der Erste, der mir heuer Frohe Weihnachten wünscht. Ich hab noch ein kleines Kulturprogramm vor mir, dass mich  an die March führt, wo in der Nähe des Zollwachedenkmals gerade eine Fußgänger- und Radwegbrücke errichtet wird. Nach dem Rathaus wollte ich abschließend das Schloss Marchegg besichtigen, was jedoch aufgrund der Totalsanierung des Schlosses, die noch bis in den Sommer andauert, ins Wasser fiel. 
































Samstag, 6. November 2021

SC Berndorf - SC Pottenstein

Berndorf, Sportplatz
2. Klasse Triestingtal, 211 Zuschauer, 1:0

Das Nachbarschaftsduell zwischen Berndorf und Pottenstein ist wohl das Beste, was die 2. Klasse Triestingtal zu bieten hat. Diese Begegnung war auch eine der Ersten, die ich in meine Derbyliste eintrug, der Besuch ist daher überfällig. Nachdem ich mir vor dem Spiel ausgerechnet von einer  Pottensteiner Privatbrauerei ein 6er-Tragerl Gerstensaft besorge, erreiche ich rund 30 Minuten vor dem Anpfiff den Berndorfer Sportplatz.

Dort stelle ich mich artig in die Schlange, die sich aufgrund der 3G-Kontrollen gebildet hat. Der Kontrolleur ist ein Mensch, der offensichtlich gerne und vor allem laut plaudert. So meint er zu einem Besucher: "Wos? Olle 3 G host? Du bist a Streber!" Die folgende Dame bekommt ebenfalls ihr Fett ab: "Aha, du host erst Zwoa? - do geht nu wos! *hahahaha*" Datenschutz wird überwertet.

Der SC Berndorf liefert sich einen Zweikampf mit Enzesfeld um die Tabellenspitze. Alle notwenigen Infos zur Ausgangslage gibt uns der Platzsprecher: "Enzesfeld hat gestern gewonnen!Ein 3er muss her, dann haben wir die Herbstkrone!" Kurze Zeit später meldet er sich schon wieder: "Was gibt's Geileres, Ein Derby bei bestem Wetter beim Kampf um den Herbstmeistertitel!"

Nach diesem zitatereichen Auftakt kann dann auch endlich das Spiel vor offiziell 211 Besuchern losgehen. Außenseiter Pottenstein kann von Beginn an gut mithalten und kommt auch zur 1. Chance, während bei Berndorf in der Anfangsphase überhaupt nichts zusammenläuft. Die offensichtlich verwöhnten Anhänger der Heimischen sind daher schnell unzufrieden, bereits nach 8 Spielminuten nehme ich folgende Meldung wahr: "Des wos mir do spün reißt mi ned vom Hocka!" Das ist insofern nicht verwunderlich, da der Wortspender einen Stehplatz hat.

In einem weiterhin ausgeglichenem Match sind es dann aber doch die Berndorfer, die dank eines Treffers von Komel Alizadeh in der 30. Minute mit 1:0 in Führung gehen. In der Folge treffen die Gäste, die ihrerseits am 4. Rang in der Tabelle liegen, die Stange. Danach geht es in die Pause, in der ich mich mit einer Käsekrainer stärke.

In der 2. Halbzeit lebt das Spiel nicht von großen Szenen, sondern von der Spannung und den Emotionen. Da passt es auch ins Bild, dass in der 86. Minute der Torschütze wegen einer Disziplinlosigkeit mit Gelb-Rot vom Platz fliegt. Pottenstein kann die Überzahl in den Schlussminuten jedoch nicht in ein Tor ummünzen.

Damit holt sich der SC Berndorf tatsächlich die Herbstkrone. Beim anschließenden Jubel wird dem Kapitän das Mikrofon übergeben, sodass die Anhänger mitten drin statt nur dabei sind. Aber auch die heute ebenbürtigen Pottensteiner werden vom Publikum verdientermaßen mit Applaus verabschiedet.